Für sie zählt neben dem Fachlichen auch das Menschliche: Die Schulleiter Bäckermeister Christian Bertelsbeck und Bäcker- und Konditormeister Wolfgang Vollmer vor dem historischen Haupteingang.
Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe100 Jahre alt und regelmäßig modernisiert
Die Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe feiert rundes Jubiläum.
Idyllisch gelegen auf einer Anhöhe oberhalb von Olpe, unweit der Bigge, mit einem beeindruckenden Blick über die Stadt, liegt die Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe. Eingebettet in ein Wohngebiet und damit nah an den Menschen, werden hier Bäcker sowie Fachverkäufer aus- und weitergebildet. Nun feiert die traditionsreiche Einrichtung ihr 100-jähriges Bestehen.
Dabei begann ihre Geschichte eigentlich zunächst an einem anderen Ort. 1926 wurde die Einrichtung in Bochum noch als "Westfälische Bäckerfachschule" gegründet. Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde die Erfolgsgeschichte jäh ausgebremst. Denn 1943 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff zerstört. Ein Weiterbetrieb an diesem Ort war fortan unmöglich.
Von der Burg Altena nach Olpe
Übergangsweise fand die Schule bis 1946 auf Burg Altena eine neue Heimat. Danach begann das Kapitel Olpe. Für 107.000 Reichsmark wurde eine in den 1920er-Jahren von einem Strumpffabrikanten erbaute Villa erworben. Weil die Inflation die damalige Währung nahezu entwertete, vereinbarten Verkäufer und Käufer eine ungewöhnliche Regelung: Die Kaufsumme sollte dem Gegenwert von 300 Tonnen Weizenmischbrot entsprechen. Bezahlt wurde mit der härtesten Währung der damaligen Zeit: Naturalien.
"Wir sind die erste und damit älteste Bäckerfachschule in Deutschland", sagt Michael Bartilla mit einem gewissen Stolz, der gemeinsam mit Henning Funke und den beiden Schulleitern Christian Bertelsbeck und Wolfgang Vollmer die Geschicke der Schule als Geschäftsführer lenkt.
Meisterkurse nach Maß
"Heute begrüßen wir jährlich knapp 2.000 Teilnehmer in Olpe zur Aus- und Weiterbildung. Rund 1.700 Auszubildende kommen jedes Jahr zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung. Was uns auszeichnet, ist die prüfungsnahe und praxisorientierte Ausbildung", betont Bartilla. Hinzu kommen unter anderem Seminare für Quereinsteiger im Fachverkauf, Vorbereitungskurse auf externe Prüfungen sowie Berufsorientierungsmaßnahmen für Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Eine Besonderheit der Ersten Deutsche Bäckerfachschule OIpe sind die modular aufgebauten Meisterkurse. Die fachlichen Teile eins und zwei können unabhängig von den betriebswirtschaftlichen und ausbildenden Teilen drei und vier absolviert werden.
"Bei uns in Olpe können die Meisterkurse ganz individuell zusammengestellt werden", erklärt Schulleiter und Bäckermeister Christian Bertelsbeck. Die Teilnehmer müssen weder eine feste Reihenfolge einhalten noch alle Teile am Stück absolvieren. Manche verteilen ihren Weg zum Meistertitel sogar über mehrere Jahre – ganz individuell an die jeweiligen Berufs- und Lebensumstände angepasst.
Für Michael Bartilla und Christian Bertelsbeck steht dabei stets der Mensch im Mittelpunkt. Entscheidend sei nicht die Geschwindigkeit, sondern dass die Teilnehmer etwas lernen und die Meisterprüfung erfolgreich bestehen.
Die fachübergreifenden Teile drei und vier stehen grundsätzlich allen Gewerken offen. "Hier sitzen alle zusammen. Vom Tischler bis zum Dachdecker und natürlich auch Bäcker und Konditoren", sagt Bertelsbeck. Gemeinsam mit der Handwerkskammer Südwestfalen bietet die Schule (genau wie das Berufsbildungszentrum (bbz) Arnsberg) außerdem den Betriebswirt des Handwerks an.
Betriebswirt des Handwerks am bbz Arnsberg
Betriebswirt des Handwerks an der Ersten Deutschen Bäckerfachschule Olpe
Hinzu kommen unter anderem Seminare für Quereinsteiger im Fachverkauf, Vorbereitungskurse auf externe Prüfungen sowie Berufsorientierungsmaßnahmen für Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit.
Moderne Technik und familiäre Atmosphäre
In den vergangenen Jahren wurden Schule und Internat umfassend modernisiert. Rund acht Millionen Euro flossen in Gebäude, Technik und Ausstattung. So wurden unter anderem Hörsäle mit Smartboards ausgestattet und Unterrichtsmaterialien digitalisiert.
"Die Teilnehmer wollen digital arbeiten", sagt Bertelsbeck. Statt klassischer Fachbücher erhalten die Schülerinnen und Schüler digitale Skripte, die im Unterricht gemeinsam weiterentwickelt werden. Nicht zuletzt diese gemeinsame Erarbeitung ist eine Erklärung für die hohe Bestehensquote.
Zum Gelände gehört auch ein Internat mit 120 Betten, eine eigene Mensa und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Vom Fitnessraum über Tischtennis und Kicker bis hin zum Kino. "Man kann nur optimal lernen, wenn man sich wohlfühlt", erklärt Bertelsbeck das Erfolgsrezept. Dass das gelingt, dafür sorgen 26 hauseigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die familiäre Atmosphäre ist überall spürbar. Gerade die oft noch recht jungen Teilnehmer finden hier nicht nur Ansprechpartner für fachliche Fragen.
"Wir haben ein ausgesprochen motiviertes Team", sagt Bertelsbeck. Bartilla ergänzt: "Das zeichnet den Standort besonders aus." Und so verbindet die Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe seit 100 Jahren Tradition mit Zukunft. Oder, wie es Geschäftsführer Bartilla abschließend formuliert: "Die alte Dame ist 100 Jahre alt und wird regelmäßig modernisiert."