Handwerkskammer Südwestfalen

Ausbilder vorgestelltAbenteuer Australien: Der Meister als Ticket in die Welt

Zimmerermeister André Schulte arbeitet heute als Ausbilder im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Südwestfalen, bbz Arnsberg. Er erzählt, warum er 2022 sein Hab und Gut verkaufte, drei Jahre Down Under arbeitete – und genau dort landete, wo sein Herz immer schon war: im deutschen Holzbauhandwerk.

Der Weg ins Handwerk

Eigentlich wusste André lange nicht, wohin die Reise gehen sollte. "Ich habe eher auf Druck meiner Mama nach einer Ausbildungsstelle gesucht", gibt er offen zu. Ein Praktikum als Tischler fand er zwar spannend, aber in der großen Industriefirma konnte er sich die Lehre nicht vorstellen. Dann sah er zufällig den VW-Bulli eines Dachdeckerbetriebs – und verkündete seiner Familie kurzerhand: "Hey, ich werde Dachdecker."

Es folgte eine Karriere mit Herzblut: Ausbildung als Dachdecker, die zweite Lehre als Zimmerer – zweimal verkürzt –, dann Vorarbeiter und der Meisterabschluss 2021 im bbz Arnsberg. Doch irgendetwas fehlte. "Nach der Meisterschule und einem Jahr im Job habe ich mir gedacht: Das ist es noch nicht."

Von Südwestfalen nach Australien

Der Impuls kam von einem neuen Arbeitskollegen. Zwei Monate später war die Kündigung eingereicht, der Flug gebucht. "Ich bin auf blauen Dunst geflogen. Ich hatte keinen Job und keine Unterkunft, nur die ersten drei Tage einen Schlafplatz." Im November 2022 landete er in Brisbane, kaufte sich ein Auto, baute es aus – und fand sofort über Facebook Marketplace Arbeit. Kein Wunder: "Das deutsche Handwerk ist in Australien sehr begehrt. Ich habe nie länger als 20 Minuten nach einem Job gesucht."

Der Meistertitel war sein bester Türöffner. "Ich hatte mit dem Chef telefoniert, und der wollte gar keine Arbeitserfahrung wissen. Da wusste er: deutschen Handwerksmeister kann man gebrauchen." Genau das zeigt, was ein Meisterbrief international wert ist – ein Gütesiegel, das überall Vertrauen schafft und sofort Türen öffnet. Wer ihn besitzt, ist international gefragt.

Es folgten sechs Monate als Tischler in einem Hotel in Airlie Beach am Great Barrier Reef – fast 120 Zimmer renovierte er dort – und zwei Monate als "Kraft für alles" auf einer Farm.

Ein halbes Jahr auf einer einsamen Insel

Das große Abenteuer wartete noch: Ein Unternehmer hatte die verlassene Insel Lindeman Island gekauft, nach einem Wirbelsturm seit 2015 unbewohnt. "Wir waren die ersten, die wieder da vor Ort waren." Ein halbes Jahr lebte er dort nur mit anderen Backpacker-Handwerkern und arbeitete als Projektmanager am Rückbau und der Renovierung des alten Ferienresorts.

Seine letzte Station war Sydney, wo er sich selbstständig machte und Subunternehmer-Aufträge übernahm – dank seines Könnens und des guten Rufs des deutschen Handwerks. Das Working-Holiday-Visum verlängerte er mehrfach.

Warum die Rückkehr?

Trotz des Traumlebens wurde die Entscheidung klarer: "Ich habe mein Handwerk vermisst. Der Qualitätsanspruch in Australien ist lange nicht so hoch wie bei uns." Zudem war sein Ziel immer ein kleines Häuschen mit Grundstück – doch "ein Einfamilienhaus bekommt man in Sydney nicht unter einer Million Dollar". Nur mit Sponsorship und dem Verzicht auf Eigentum hätte er bleiben können. Auf Dauer war es ihm das "nicht ganz wert".

Zurück ans bbz Arnsberg

Der Zufall wollte es, dass seine Tante Klara Schulte – selbst jahrelang Dozentin im bbz – bei den Zimmerer-Kollegen Robin Mönxelhaus und Maximilian Stracke im Büro saß, als jemand für die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) gesucht wurde. Ein schnelles Telefonat später stand André in Arnsberg vor den Auszubildenden.

Sein Fazit: "Drei Jahre Working Holiday sind komplett – ich würde nicht mehr zurück, höchstens im Urlaub." Mitgenommen hat er Weltoffenheit, Gelassenheit und eine neue Wertschätzung für den Anspruch des deutschen Handwerks.

Ein Tipp an den Nachwuchs

Wer den Drang spürt, hinauszukommen, dem rät André zu kleinen Schritten: "Erasmus-Programme oder ein Praktikum – drei Wochen reichen, um herauszufinden, ob man dafür geschaffen ist." Und natürlich fügt er schmunzelnd hinzu: "Skateboard und Surfen sind meine einzigen Hobbys – Australien war da genau die richtige Richtung für mich."

Der Meisterbrief ist das, was André weitergebracht hat: ein Abschluss, der international angesehen ist und sofort Anschluss findet. Genau dieses Wissen und diese Begeisterung gibt er heute am bbz Arnsberg an die kommende Generation weiter.