Herz und HandwerkAnnis Konditorei und Patisserie in Schmallenberg-Fleckenberg
In Fleckenberg, einem beschaulichen Ortsteil von Schmallenberg, liegt sie: eine kleine Konditorei, die weit über die Dorfgrenzen hinaus für ihre süßen Kreationen bekannt ist. Annis Konditorei und Patisserie – hinter diesem Namen steckt eine junge Frau, deren Weg so besonders ist wie ihre Torten. Annika Grobbel, alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter, hat sich einen Traum erfüllt. Und sie hat dabei bewiesen, was Mut, Willenskraft und Familie bewirken können.
Ein Leben für das Süße
Dass Annika Grobbel einmal mit Teig, Schokolade und Sahne arbeiten würde, war früh abzusehen. Schon als Kind stand sie mit ihrer Oma in der Küche und backte – eine Leidenschaft, die in der Familie liegt, denn schon ihr Uropa war Konditor. Als Teenager half sie in den Patisserien von Hotels in der Küche aus und machte Praktika. "Das ist jedem vor der Berufswahl zu empfehlen", betont sie. Ein Praktikumsbetrieb wurde so auch zum Ausbildungsbetrieb. Von 2011 bis 2014 erlernte die Sauerländerin das Konditorenhandwerk im Café Hagemeister in Olsberg.
Warum dieser Beruf? "Er ist kreativ, man kann sich austoben." Diese Kreativität baute die junge Frau im Ausland aus. Drei Jahre lang arbeitete sie im österreichischen Zell am See am Kitzsteinhorn in einer Patisserie, wo sie regionaltypische Spezialitäten kennenlernte, und das Handwerk verfeinerte.
Doch die Heimat rief. Zurück im Sauerland wurden die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt: Meisterprüfung in Vollzeit und alleinerziehend mit einem Kleinkind. "Wie ich das gemacht habe, keine Ahnung. Wenn man die Familie als Rückhalt hat, funktioniert das", erzählt Grobbel mit einem Augenzwinkern. Den Meisterkurs absolvierte sie in Iserlohn, und direkt im Anschluss legte sie eine weitere Qualifikation nach: den Betriebswirt des Handwerks (HWO), ebenfalls in Vollzeit.
Meisterprüfung und der Betriebswirt – mehr als Titel
Der Meistertitel ist für die 31-Jährige weit mehr als die Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Er ist der Beweis dafür, dass sich ihr Weg gelohnt hat. "Meisterprüfung alleinerziehend und als Frau – das kann man schaffen", sagt sie selbstbewusst. "Wir Frauen sind stark. Man muss nur organisiert sein." Und sie ergänzt: "Mein Kind ist dadurch selbstständig geworden." Die Prüfung hat Grobbel gleichermaßen bestärkt und gestärkt – und sie ist ihr leichtgefallen, weil das Lernen Spaß macht. "Man hat es sich schließlich ausgesucht, es ist das eigene Interesse. Hat man es bezahlt, will man es auch schaffen."
Doch die junge Meisterin blieb nicht stehen. Auf Empfehlung ihrer Dozentin machte sie direkt im Anschluss den Betriebswirt des Handwerks – eine Entscheidung, die sie bis heute jedem ans Herz legt. "Der Kurs hat mich auf jeden Fall weitergebracht", berichtet sie. Vor allem im Kontakt mit Steuerberatern und Banken: "Man kann mitreden." Die Zusatzqualifikation, die fünf Monate dauert, verschafft Selbstständigen zusätzliches unternehmerisches Rüstzeug.
Seit Mai 2022 das eigene Café
Im Oktober 2021 schloss Annika Grobbel ihre Fortbildungen ab. Nur ein halbes Jahr später eröffnete sie ihr eigenes Café in Fleckenberg. Mit viel Eigenleistung und der Unterstützung der Familie entstand ein liebevoll dekoriertes, modern eingerichtetes Café mit kleiner Backstube direkt an der Hauptstraße.
Der Alltag ist durchgetaktet: Ab 3 Uhr morgens steht sie in der Backstube. Die Tochter, die inzwischen die Grundschule besucht, kommt danach vorbei – und backt schon einmal mit. Unterstützt wird Annika von zwei jungen Frauen auf Minijobbasis sowie von ihrer Mutter als Hilfe. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr.
Süße Vielfalt, die begeistert
Wer das Café betritt, wird sofort verführt: Eine süße Vielfalt lädt zum Probieren ein. Das Angebot ist dabei so vielfältig wie modern. Neben klassischen Torten und opulenten Hochzeitstorten gibt es leichte französische süße und salzige Kreationen sowie vegane und glutenfreie Angebote. Besonders beliebt ist der Käsekuchen am Stiel mit Schokoladenmantel. Dazu kommen kleine Törtchen, die zum Teilen einladen – denn viele Gäste versuchen gern Verschiedenes. Die Vorliebe der Konditorin ist das Passionsfrucht-Törtchen, eher säuerlich und erfrischend.
Der Stil hat sich mit der Zeit verändert: "Früher gab es viel Buttercreme und Marzipan, heute ist alles leichter und lockerer", erzählt Grobbel. Schokolade stellt sie selbst her, ebenso wie Kekse und Konfitüren. Der Kaffee stammt aus eigener Röstung vom Birkenhof Holthausen und wird mit einer Siebträgermaschine gebrüht, "denn zu gutem Kaffee gehört eine gute Maschine." Dazu kommen viele Bestellungen außer Haus, Torten zu besonderen Anlässen und Frühstück auf Bestellung.
"Ich will dem Gast etwas Gutes tun", ist ihr Grundsatz. Und genau das spüren ihre Kunden. "Ich merke, dass die Gäste kommen und fasziniert sind, sie machen Fotos", sagt die Konditormeisterin sichtlich stolz. "Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Gut, dass ich mich selbstständig gemacht habe, es ist erfüllend."
Ein Rat an junge Menschen
Was rät Annika Grobbel jungen Menschen, die den gleichen Weg gehen wollen? Ganz klar: "Erst einmal eine Ausbildung machen und den Berufsalltag kennenlernen. Es ist wichtig zu wissen, wie der abläuft." Und sie fügt hinzu: "Weiterbildung und Fortbildung in jedem Fall." Ihr eigenes Leben ist der lebendige Beweis, dass dieser Rat hält, was er verspricht.