Die heimische Bundestagsabgeordnete für den Märkischen Kreis, Bettina Lugk, besuchte Handwerksbetriebe wie hier die Ossenberg AST GmbH in Neuenrade und sprach mit den Handwerkern über aktuelle Herausforderungen.
HandwerkstourBettina Lugk besucht Betriebe im MK
Einen ganzen Tag lang hat sich SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk Zeit genommen, um das Handwerk im südlichen Teil des Märkischen Kreises aus nächster Nähe kennenzulernen. Gemeinsam mit einer Delegation der Handwerkskammer – Präsident Jochen Renfordt, Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt, Leiterin der Standortpolitik Uta Neumeister und Bildungsreferent Rüdiger Schnüttgen – besuchte sie fünf Betriebe aus unterschiedlichen Gewerken. Ziel: zuhören, verstehen, Impulse mitnehmen.
Tradition trifft aktuelle Herausforderungen
Erste Station war die Jungkurth GmbH in Altena. Geschäftsführerin Sabine Jungkurth, die den 1934 gegründeten Familienbetrieb in dritter Generation führt, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Ich freue mich, dass Sie da sind“. Rund 60 Beschäftigte arbeiten hier in der Gebäude- Sicherheits- und Verkehrstechnik – häufig für öffentliche Auftraggeber. Im Gespräch wurde schnell klar, wo der Schuh drückt: fehlende Planungssicherheit, hohe Abgaben und eine Politik, deren Ergebnisse im Alltag kaum spürbar sind. „Es kommt nicht auf die Straße“, so Jungkurth. Renfordt räumte ein, dass Reformen zu lange dauerten und stärker im Alltag ankommen müssten.
Bauwirtschaft zwischen Flexibilität und Bürokratie
Bei der Ossenberg AST GmbH in Neuenrade zeigte Geschäftsführer Dominik Twer die Bandbreite eines modernen Bauunternehmens – vom Straßen- bis zum Kanalbau. „Wir machen alles“, sagte er selbstbewusst. Doch auch hier dominieren ähnliche Themen: steigende Energiekosten, hohe bürokratische Anforderungen und verzögerte öffentliche Projekte. Gleichzeitig setzt der Betrieb auf Ausbildung – drei Azubis lernen aktuell den Beruf des Straßenbauers. Twer wünscht sich mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten, um auf Baustellen realistisch reagieren zu können (Wochenarbeitszeit). „Viel wird angekündigt, dann aber dauert es mit der Umsetzung“, so Twers allgemeine Einschätzung. Angesichts der Nachwuchsgewinnung im Handwerk brachte Bettina Lugk außerdem die Idee eines allgemeinen verpflichtenden Gesellschaftsjahres ins Gespräch, um jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
Fachkräfte bleiben Schlüsselthema
Bei der Weyand & Co. GmbH, einem etablierten Elektrobetrieb in Plettenberg, bestätigte sich ein bekanntes Bild: Gute Fachkräfte sind schwer zu finden. Christiane Holzmann und ihr Vater Klaus, die den Betrieb beide als Geschäftsführer leiten, setzen auf klassische Wege wie Schulkooperationen mit der örtlichen Zeppelinschule und Praktika. „Ohne Praktikum keine Ausbildung“, betonte Christiane Holzmann kurz und knapp. Trotz moderner Ansätze – etwa Social Media – bleibt die Nachwuchsgewinnung herausfordernd. Positiv: Der Zusammenhalt im Betrieb und die abwechslungsreichen Aufgaben gelten als klare Pluspunkte. „Weil sie nicht jeden Tag durch die gleiche Tür gehen“, fasst Holzmann das Empfinden der Mitarbeitenden zusammen.
Investition in die Zukunft
Die Zimmerei Kahl GmbH aus Plettenberg zeigte, wie Innovation im Handwerk aussieht. Dieter und Michaela Kahl führen den Familienbetrieb mit 12 Mitarbeitern und drei Auszubildenden. Herzstück ist eine moderne, über 20 Meter lange Abbundanlage, die präzises Arbeiten mit großen Fertigungsstücken ermöglicht. „Wenn man aus Holz baut, dann bauen wir das“, so der Anspruch. Während die Digitalisierung in der Organisation noch im Aufbau ist, überzeugt der Betrieb mit starkem Teamgeist und klarer Ausbildungsstruktur. „Bei uns müssen alle ein Praktikum machen“, so Zimmerermeister Kahl. Probleme Auszubildende zu finden habe man, auch dank des regelmäßigen Besuchs von Ausbildungsbörsen, keine. Nur das Niveau der Bewerberinnen und Bewerber habe auch in ihrem Gewerk nachgelassen.
Handwerk unter Kostendruck
Den Abschluss bildete Weiß Bäckerhandwerk in Neuenrade. Bäckermeister Kevin Weiß setzt konsequent auf Qualität und Transparenz – sichtbar nicht zuletzt in seiner gläsernen Backstube. Doch steigende Energiepreise und verändertes Kaufverhalten setzen ihm zu. „Die Stromkosten sind immens geworden“, sagt er. Kunden kauften seltener oder wichen auf günstigere Angebote beim Discounter aus. Weiß musste bereits Öffnungszeiten reduzieren und Personal abbauen – ohne jedoch Abstriche bei der Qualität zu machen, das sei ihm wichtig.
Am Ende eines intensiven Tages
Die Tour macht deutlich: Die Herausforderungen sind gewerkeübergreifend ähnlich – Bürokratie, Energiekosten, Fachkräftemangel und fehlende Planungssicherheit. Bundestagsabgeordnete Lugk zeigte Verständnis und betonte die Bedeutung des direkten Dialogs: „Der persönliche Austausch mit der Handwerkskammer und den Betrieben vor Ort ist mir sehr wichtig. Themen wie hohe Energie- und Spritkosten, der Fachkräftemangel oder Bürokratie beschäftigen viele Betriebe. Hier müssen wir als Politiker weiter dranbleiben und den eingeschlagenen Reformkurs konsequent fortführen. Die zahlreichen Eindrücke und Hinweise aus unserem Austausch nehme ich mit in die SPD-Fraktion nach Berlin.“