Jochen Ott, Spitzenkandidat der NRW-SPD zur Landtagswahl, besuchte unser Berufsbildungszentrum, das bbz Arnsberg.
InteressenvertretungEinblicke gewinnen, zuhören, verstehen: Handwerk richtet Forderungen an SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott
Die Sommerzeit bedeutet für Jochen Ott vor allem eins: Tourzeit. Der Spitzenkandidat der NRW-SPD zur Landtagswahl reist dieser Tage quer durch Nordrhein-Westfalen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen – in Betrieben, auf Nachbarschaftsfesten und in Bildungseinrichtungen. Am 29. Juli machte der Politiker Station im Berufsbildungszentrum (bbz Arnsberg) der Handwerkskammer (HwK) Südwestfalen in Arnsberg. Sein Ziel: Einblicke gewinnen, zuhören, verstehen.
"Das Handwerk ist personallastig – und das ist gut so"
Empfangen wurde Ott von folgender Runde: Hendrik Schmitt (Hauptgeschäftsführer der HwK Südwestfalen), Sabine Blume (Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrums), Ina Schönfeld (bbz-Leiterin), HwK-Vizepräsident Michael Neuhaus, Vorstandsmitglied Marcel Grote sowie Uta Neumeister (Leiterin Standortpolitik) führten durch den Termin. Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner, SPD-Unterbezirksgeschäftsführerin Anna Lena Brandt und Landtagskandidat Frank Neuhaus komplettierten die Runde.
Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt eröffnete die Diskussion mit einer klaren Botschaft an Ott: "Betriebsübernahme ist eines der Top-Themen in der nahen Zukunft. Das nehmen Sie bitte mit in die Politik!" Das Handwerk ist extrem personalintensiv – und das sei auch gut so. "Bei uns kann man keine Roboter Autos reparieren lassen." Deshalb seien die Themen Arbeit, Arbeitnehmer und die Kosten der Arbeit zentral. Schmitt regte an, insbesondere die Einkommenssteuer für personalintensive Branchen kritisch zu hinterfragen und nicht nur oberflächlich zu denken: "Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft und Handwerk ist vor allen Dingen eine Dienstleistung. Deshalb brauchen wir ein Steuer- und Sozialabgabensystem, das Arbeit fördert und nicht ständig verteuert."
Mehr als ein Beruf: Handwerk als Persönlichkeitsschule
Michael Neuhaus – Vizepräsident und Arbeitnehmervertreter – brachte ein weiteres dringendes Anliegen auf den Punkt: "Das Handwerk muss mehr gesehen werden. Das Wording muss sich ändern, da muss mehr Wertschätzung rein. Ein guter Handwerker ist ein sehr, sehr guter Facharbeiter. Handwerk ist vielschichtig, umfassend und tüchtig." Gerade mit Blick auf die Gewinnung junger Menschen sei das entscheidend.
Das Handwerk leiste außerdem nicht nur fachlich Großartiges, sondern auch erzieherisch. Neuhaus machte deutlich: "Die Auszubildenden kommen erstmal als unfertige Jugendliche. Nach der Ausbildung sind es kompetente junge Erwachsene. Das machen nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Meister, die Gesellen, die Kollegen – im Handwerk läuft vieles sehr familiär ab. Und das ist eine verdammt gute Arbeit."
Schmitt unterstrich diesen Ansatz aus Sicht der Betriebe: "Unser Berufsbildungszentrum in Arnsberg heißt nicht 'Schule', sondern 'Ausbildungszentrum'. Zusammen mit dem Betrieb machen wir Persönlichkeitsentwicklung, vermitteln Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz." Und das auf Augenhöhe, so wird aus dem Azubi ein Top-Kollege, ergänzte Neuhaus.
"Förderkriterien zu bekommen, ist wahnsinnig schwierig"
Ein weiteres zentrales Thema: die Hürden bei der Beantragung von Fördermitteln. "Die Berufe ändern sich so schnell. Wir müssen mit den Bildungsstätten mithalten können – aber Förderkriterien zu bekommen, ist wahnsinnig schwierig und langwierig", so Neuhaus. Sabine Blume und Ina Schönfeld machten das Problem konkret: "Schemadenken ärgert uns." Die Statistik gebe vor, wie viele Schlafstätten vorhanden sein müssen. Man berücksichtige jedoch andere Aspekte nicht, wie Infrastruktur oder Anreisezeiten der angehenden Handwerker. "Man muss Entscheidungen über Förderungen differenzierter treffen", so Schönfeld.
Marcel Grote schlug in dieselbe Kerbe und wies auf die Ungleichbehandlung hin: "Universitäten werden deutlich besser mit finanziellen Mitteln ausgestattet als das Handwerk für die duale Ausbildung." Er appellierte an Ott, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln: "Über Veränderungen reden alle. Wirklich ändern tun sich die Dinge dann doch nicht. Konsens für Entlastung und mehr Netto vom Brutto ist da – aber eine echte Veränderung findet nicht statt."
Otts Antwort: "Machen ist wie wollen, nur geiler"
Der Spitzenkandidat nahm die Kritik und die Anliegen auf: "Machen ist wie wollen, nur geiler." Ob die Ankündigung auch Taten folgen lassen, daran wird das südwestfälische Handwerk den Politiker messen.
Bei einem abschließenden Rundgang über das Gelände konnten sich die Vertreter aus der Politik rund um Jochen Ott einen Eindruck von den Werkstätten sowie dem Internat des bbz Arnsberg machen und mit dem ein oder anderen Auszubildenden ins Gespräch kommen.