Eine Ausbilderin des Zimmererhandwerks bei der Arbeit.
www.amh-online.de

AusbildungGemeinsam für mehr Ausbildung im Märkischen Kreis

Auf Einladung der Agentur für Arbeit Iserlohn kamen Ende April 2026 Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitgeberorganisationen, Kammern, Verwaltung und weiteren Arbeitsmarktakteuren zu einem Spitzentreffen zum Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis zusammen. Anlass war die aktuelle Entwicklung am Ausbildungsmarkt, die zunehmend Anlass zur Sorge gibt.

Die aktuellen Zahlen zeigen eine deutliche Verschiebung: Den 1.858 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern (+11,4 Prozent) stehen erstmals weniger gemeldete Ausbildungsstellen (1.799, -15,5 Prozent) zur Verfügung. Damit hat sich das Verhältnis im Märkischen Kreis inzwischen umgekehrt – traditionell gab es mehr Ausbildungsstellen als Bewerber.

Hinzu kommen erhebliche Passungsprobleme. Die Berufswünsche vieler junger Menschen konzentrieren sich weiterhin auf wenige, bekannte Ausbildungsberufe wie Industriekaufleute, Kfz-Mechatroniker oder Kaufleute für Büromanagement. Demgegenüber stehen zahlreiche unbesetzte Ausbildungsstellen insbesondere im Einzelhandel, im Verkauf sowie in gewerblich-technischen Berufen wie Industrie- oder Werkzeugmechanik. Gerade in der industriell geprägten Region des Märkischen Kreises besteht hier ein besonders hoher Fachkräftebedarf. So berichten die Partner von einem spürbaren Rückgang bei bereits abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, insbesondere im gewerblich-technischen Bereich. Gleichzeitig werde deutlich, dass viele Ausbildungsberufe bei Jugendlichen noch zu wenig bekannt sind.

Zentrale Herausforderungen

Im gemeinsamen Austausch wurden mehrere zentrale Herausforderungen benannt: Die Entscheidungsfähigkeit und -freude junger Menschen habe abgenommen, wodurch eine intensivere Berufsorientierung und Begleitung an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig ziehen sich einige Betriebe aufgrund negativer Erfahrungen oder des wahrgenommenen Aufwands aus der Ausbildung zurück.

Die Agentur für Arbeit Iserlohn appellierte in diesem Zusammenhang gemeinsam mit den Partnern, trotz bestehender Herausforderungen weiterhin in Ausbildung zu investieren:

"Wir können es uns angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs nicht leisten, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und gleichzeitig junge Menschen ohne Perspektive sind. Ausbildung ist und bleibt der Schlüssel für die Zukunft unserer Region. Deshalb werben wir ausdrücklich dafür, auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen Ausbildungsplätze anzubieten, frühzeitig zu melden und jungen Menschen – auch mit Unterstützungsbedarf – eine Chance zu geben. Die Agentur für Arbeit steht dabei als verlässlicher Partner an der Seite der Betriebe", so Sebastian Unkhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn.

Einigkeit bestand darüber, dass klassische Formate wie Ausbildungsbörsen allein nicht mehr ausreichen, um die bestehenden Passungsprobleme zu lösen. Stattdessen sollen Praktika stärker in den Fokus rücken, um Jugendlichen und Betrieben die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig kennenzulernen und Potenziale zu entdecken – insbesondere auch im Handwerk.

Darüber hinaus soll der Wert der dualen Ausbildung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt werden – auch im Vergleich zu akademischen Bildungswegen. Hier sehen die Beteiligten insbesondere Schulen, aber auch alle Arbeitsmarktakteure in gemeinsamer Verantwortung.

Ansatzpunkte für mehr Ausbildung

Zum Abschluss des Treffens verständigten sich die Partner auf konkrete gemeinsame Ansatzpunkte:

Unternehmen werden aufgerufen, ihre Ausbildungsstellen konsequent bei der Agentur für Arbeit zu melden. Nur durch größtmögliche Transparenz kann eine passgenaue Vermittlung und zielgerichtete Aktivitäten für die Region gelingen.

Betriebe sollen verstärkt Praktika anbieten und diese auch in der regionalen Praktikumsbörse  "Job-Navi MK (JoNa)" veröffentlichen.

Auch Jugendliche mit Unterstützungsbedarf sollen stärker in den Blick genommen werden – etwa durch Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder im Rahmen der Initiative "Kein Abschluss ohne Anschluss" unter dem Motto "Wir sind Ermöglicher".

Ziel aller Beteiligten ist es, die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen, mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen und gleichzeitig die Fachkräftebasis der Region nachhaltig zu sichern.

Die Partner waren sich einig:

Nur durch gemeinsames Handeln und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure kann es gelingen, den Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis wieder ins Gleichgewicht zu bringen.