Friseurmeisterin Hala bei der Arbeit in ihrem Salon "hair by Hala".
PortraitHala – Friseurmeisterin, Unternehmerin und Kämpferin
Wenn Hala über ihren Weg spricht, hört man mit Bewunderung zu. Sie ist Friseurmeisterin, Inhaberin eines eigenen Salons in Meschede und Mutter von drei Kindern. Doch ihr Weg dorthin war alles andere als leicht und selbstverständlich.
Ein Leben zwischen Flucht und Neuanfang, Familie und Selbstständigkeit
Hala ist Anfang vierzig, Mutter einer 23-jährigen Tochter, eines 21-jährigen Sohnes und einer 15-jährigen Tochter. Ihre Kinder sind ein wichtiger Teil ihres Lebens und auch ihres Antriebs. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei jedoch nie einfach gewesen, sagt Hala – besonders nicht als Geflohene und jetzt als selbstständige Frau.
Geboren wurde sie in Idlib in Syrien, einer Region, die stark vom Krieg betroffen war. 2015 kam sie mit ihren Kindern nach Deutschland – eine Flucht, die sie bis heute als eine der schwierigsten Erfahrungen ihres Lebens beschreibt. Über die Türkei und Griechenland gelangte die Familie schließlich nach Deutschland. Hala war damals Anfang dreißig und trug plötzlich die alleinige Verantwortung für mehrere Kinder und ihre Eltern. “Wenn man Mutter ist, kann man nicht aufgeben”, sagt sie. “Man muss einfach weitermachen.” In Meschede begann für sie ein neues Leben – zunächst geprägt von Unsicherheit, Sprachbarrieren und der Suche nach einem neuen Weg.
Deutsch lernen und ab ins Handwerk
Noch bevor sie offiziell einen Sprachkurs besuchen durfte, kaufte sie sich selbst Deutschbücher und begann zu lernen. 2017 startete sie schließlich mit einem Sprachkurs, bestand später die B2-Prüfung und entschied sich danach für eine Ausbildung im Friseurhandwerk. Dass sie Friseurin werden wollte, kam nicht ganz zufällig. Schon früher hatte sie Freundinnen und Familienmitglieder frisiert und sogar ihre eigenen Haare geschnitten. “Das war immer mein Hobby”, erzählt sie. In Deutschland wurde daraus ein Beruf – und schließlich eine Leidenschaft.
Eine Ausbildung mit außergewöhnlichem Ergebnis
Die Ausbildung war für sie eine enorme Herausforderung. Neben Familie und Arbeit musste sie eine neue Sprache meistern und sich gleichzeitig fachlich beweisen. Besonders die Theorie war am Anfang schwierig: “Ich musste jedes Wort im Buch übersetzen”, erinnert sie sich. Doch mit viel Disziplin arbeitete sie sich durch den Stoff – mit Erfolg. Am Ende schloss sie ihre Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,2 ab.
Der Weg zum Meistertitel
Damit war für Hala jedoch noch lange nicht Schluss. Sie wollte mehr lernen und noch stärker werden. Deshalb entschied sie sich, den Meistertitel zu machen – in unserem bbz Arnsberg. Hier absolvierte sie alle vier Teile der Meisterausbildung. Die Zeit war intensiv: Schule, Familie, Arbeit und Lernen bestimmten ihren Alltag. Doch sie erinnert sich auch an viel Unterstützung – von Dozentinnen und Dozenten, von Mitschülerinnen und Mitschülern aus ganz unterschiedlichen Gewerken und besonders von ihrer Familie. “Der Meistertitel hat in Deutschland eine große Bedeutung”, sagt sie. “Die Menschen haben sofort Vertrauen, wenn sie hören, dass jemand Meisterin ist.” 2023 hielt sie schließlich ihren Meisterbrief in den Händen. Doch statt sich sofort selbstständig zu machen, nutzte sie zunächst die Zeit für zahlreiche Fortbildungen. Sie reiste zu Seminaren nach Braunschweig und Frankfurt, belegte Onlinekurse und lernte neue internationale Techniken in Coloration und Schnitt. “Ich war noch nicht satt von dem Beruf”, sagt sie lachend. "Ich wollte noch mehr Praxis lernen."
Der eigene Salon in Meschede
Im Oktober 2024 eröffnete sie schließlich ihren eigenen Salon in Meschede, “hair by Hala”. Der Weg dorthin war nicht ganz ohne Rückschläge – eine geplante Ladenanmietung scheiterte kurzfristig und kostete sie viel Geld. Trotzdem gab sie nicht auf. Heute führt sie ihren Salon erfolgreich, beschäftigt eine Auszubildende und sucht nach weiteren Fachkräften. Besonders stolz ist sie auf das Vertrauen ihrer Kunden und Kundinnen. Viele von ihnen sind längst mehr als nur Kundinnen geworden. “Einige sind wie Freundinnen”, sagt sie. “Haare machen ist etwas sehr Persönliches. Man vertraut sich.” Als Frau mit Kopftuch musste sie auf ihrem Weg auch Vorurteilen begegnen. Manche Menschen zweifelten daran, ob eine Friseurin mit Kopftuch überhaupt glaubwürdig sei. Hala begegnet solchen Aussagen mit Klarheit: “Ich arbeite mit meinen Händen, nicht mit meinen Haaren.” Heute blickt sie nach vorn. Ihr Salon wächst, ihr Ruf in der Region ebenfalls. Und trotz aller Herausforderungen liebt sie ihren Beruf: die Kreativität, den Kontakt mit Menschen und die Möglichkeit, sich ständig weiterzuentwickeln.
Eine starke Frau mit großer Vision
Für Hala ist ihr Weg auch ein Zeichen dafür, was möglich ist – mit Mut, harter Arbeit und der Unterstützung von Familie und Wegbegleitern. Oder, wie sie selbst sagt: “Der Weg war nicht einfach. Aber wenn man an sich glaubt und weitergeht, kann man sehr viel schaffen.”
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