Von links nach rechts: Hendrik Schmitt, Andreas Müller, Uta Neumeister. Müller hält eine Broschüre der Handwerkskammer.
Kreis Siegen-Wittgenstein
Hendrik Schmitt (l., Hauptgeschäftsführer Hwk Südwestfalen), Andreas Müller (m., Landrat Siegen-Wittgenstein) und Uta Neumeister (r., Leiterin Standortpolitik HwK Südwestfalen) mit der Broschüre "Standort. Handwerk. Südwestfalen."

Kreis Siegen-Wittgenstein"Handwerk ist tragende Säule der Wirtschaft"

Wie bleibt der Kreis Siegen-Wittgenstein ein attraktiver Standort für Handwerksbetriebe? Darüber sprachen Landrat Andreas Müller sowie Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, und Uta Neumeister, Leiterin Standortpolitik, bei einem Austausch im Kreishaus Siegen. Anlass war die Vorstellung der neuen Standortbroschüre "Standort.Handwerk.Südwestfalen", die die Standortbedingungen in den 45 Städten und Gemeinden des Kammerbezirks vergleicht.

"Das Handwerk ist eine tragende Säule unserer Wirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein. Es sorgt für Ausbildung, Beschäftigung, Innovation und regionale Wertschöpfung. Der Austausch mit der Handwerkskammer ist für uns deshalb ein wichtiger Baustein, um die Standortbedingungen für die Betriebe weiter zu verbessern", betonte Landrat Müller.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Gewerbe- und Grundsteuern in Siegen-Wittgenstein, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen sowie die öffentliche Auftragsvergabe.

Hebesätze belasten Betriebe, Kommunen und Kreis unter Druck

Die Auswertung der Standortbroschüre zeigt, dass die Städte und Gemeinden im Kreis Siegen-Wittgenstein bei Gewerbesteuer und Grundsteuer B im Durchschnitt die höchsten Hebesätze der vier Kreise im Kammerbezirk aufweisen. Die Stadt Siegen verzeichnet dabei den höchsten Gewerbesteuerhebesatz aller südwestfälischen Kommunen. Für Handwerksbetriebe bedeuten hohe Realsteuern zusätzliche Belastungen und geringere Spielräume für Investitionen.

Gleichzeitig standen die finanziellen Herausforderungen der Kommunen im Mittelpunkt des Austauschs. Der Landrat verwies auf die finanziellen Herausforderungen der Kommunen. Viele geraten durch steigende Ausgaben (Energie, Personal, Sachkosten) und hohe Investitionsbedarfe zunehmend unter Druck. Auch der Kreishaushalt sei sehr belastet, insbesondere durch die Ausgaben für Jugendhilfe und weitere Sozialleistungen, die seit Jahren ansteigen und weitgehend gesetzlich vorgegeben und somit nicht vor Ort steuerbar seien. Diese finanziellen Belastungen des Kreises würden sich über die Kreisumlage auf alle Kommunen im Kreis Siegen-Wittgenstein auswirken. NRW gehöre zudem zu den Ländern mit einer vergleichsweise starken Aufgabenübertragung auf Kommunen.

"Wir wissen, unter welchem finanziellen Druck viele Kommunen stehen. Umso wichtiger sind nachhaltige Lösungen für Kommunen und Betriebe gleichermaßen. Moderate Hebesätze sind kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Faktor für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung im Handwerk", erklärte Hendrik Schmitt. 

Gewerbeflächen: Potenziale nutzbar machen

Bei den Gewerbeflächen zeigt sich ein gemischtes Bild: Mit rund 180.000 Quadratmetern freier Gewerbefläche in Burbach verfügt der Kreis über das größte verfügbare Gewerbeflächenpotenzial Südwestfalens. Gleichzeitig steht derzeit im gesamten Kreis keine vollständig erschlossene freie Gewerbefläche zur Verfügung.

"Für Unternehmen muss transparenter werden, welche Flächen verfügbar sind, wer Ansprechpartner ist und wie weit die Erschließung fortgeschritten ist. Ebenso wichtig ist es, die Flächenbedarfe von Handwerk und Mittelstand regelmäßig zu erfassen. Gemeinsam mit der Aktivierung von Brachflächen und einer engen Abstimmung der Kommunen können so zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Betriebe geschaffen werden", sagte Uta Neumeister.

Öffentliche Vergabe als Chance für regionale Wertschöpfung

Auch die Vergaberechtsreform Nordrhein-Westfalens war Thema des Austauschs. Schmitt betonte: "Wir sehen in den neuen Spielräumen die Chance, Verfahren zu vereinfachen, Bürokratie abzubauen und regionale Betriebe stärker an öffentlichen Aufträgen zu beteiligen. Davon profitieren auch die Kommunen, etwa durch effizientere Abläufe, mehr Wettbewerb und eine stärkere regionale Wertschöpfung. Davon gewinnt am Ende die gesamte Region."

Die Kammervertreter äußerten die Sorge der Unternehmen, dass die höhere Flexibilität den Aufwand für Handwerksbetriebe nochmals erhöhen würde, wenn sie je nach Kommune auf unterschiedliche Vergabeprozesse treffen.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist diese Sorge jedoch wegen des seit Jahren bestehenden Vergabeservice des Kreises für die Olper, Siegener und Wittgensteiner Kommunen nur eingeschränkt begründet. "Damit haben wir bereits eine Struktur geschaffen, die Kommunen unterstützt und Unternehmen verlässliche Verfahren bietet", so Müller.

Die Handwerkskammer berichtete von ihrem Plan, den Austausch zwischen kommunalen Vergabestellen künftig stärker zu fördern. Damit könnten Erfahrungen und gute Praxisbeispiele noch besser geteilt werden. Auch Landrat Müller sah darin für Südwestfalen einen guten Ansatz: "Uns ist es wichtig, dass öffentliche Investitionen möglichst unbürokratisch umgesetzt werden können und zugleich der heimische Mittelstand faire Chancen erhält. Einheitliche und transparente Verfahren sind dafür ein entscheidender Baustein."

Handwerkskammer und Kreis wollen die angesprochenen Themen weiterverfolgen und im regelmäßigen Austausch bleiben.