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Frühjahrs-KonjunkturumfrageHandwerk kämpft weiter mit Belastungen

Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Auch im Frühjahr 2026 verharrt die Wirtschaft in Deutschland auf niedrigem Niveau. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank bundesweit auf 89 Punkte (Herbst 2025: 100), was eine anhaltende wirtschaftliche Abkühlung signalisiert. Hohe Energiepreise, eine schwache Industrieproduktion, Fachkräftemangel, zunehmende regulatorische Anforderungen sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die wirtschaftliche Dynamik erheblich.

Das Handwerk in Südwestfalen steht mit einem Geschäftsklimaindex von 106,8 Punkten auf den ersten Blick stabiler da und bewegt sich auf dem Niveau der vergangenen drei Jahre. Doch die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (HwK) Südwestfalen unter rund 800 Betrieben zeigt einen Stimmungsumschwung: Erstmals seit über zehn Jahren bewerten mehr Betriebe ihre Geschäftslage als befriedigend statt gut.

HwK-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt fasst die aktuelle Situation folgendermaßen zusammen: "Das Handwerk in Südwestfalen hält den Kopf noch gerade so über Wasser. Wenn die Kosten für Kredite, Material und Energie auf dem aktuell hohen Niveau bleiben oder steigen, spitzt sich die Lage weiter zu."

Investitionszurückhaltung trotz verbesserter Abschreibungsmöglichkeiten

Die eingetrübten Erwartungen wirken sich unmittelbar auf das Investitionsverhalten aus: Der Investitionsindex für Südwestfalen liegt bei nur 86,6 Punkten, viele Unternehmen verschieben oder streichen geplante Vorhaben. "Die Betriebe haben mit äußerst anspruchsvollen Finanzierungskonditionen zu kämpfen", erklärt Schmitt. Hohe Zinsen, gestiegene Investitions- und Energiekosten sowie eine schwache Nachfrage bremsen politische Instrumente wie die degressive Abschreibung. "Die daraus entstehenden Liquiditätsvorteile verpuffen, wenn die wirtschaftliche Perspektive fehlt."

Beschäftigung bleibt stabil, aber zurückhaltend

Der Beschäftigungsklimaindikator liegt im Frühjahr 2026 mit 95 Punkten weiter auf niedrigem Niveau. In den letzten sechs Monaten verzeichneten lediglich elf Prozent der Betriebe einen Personalaufbau, während 20 Prozent Personal abbauten. Die Mehrheit hielt ihre Mitarbeiterzahl konstant und rechnet auch künftig mit stabilen Beschäftigtenzahlen. Rund 77 Prozent im Gesamthandwerk erwartet keine Veränderungen. "Neueinstellungen werden vorsichtig und strikt anhand der Auftragslage und Planungssicherheit vorgenommen", so Schmitt.

Bauhauptgewerbe unter anhaltendem Druck

Besonders angespannt ist die Lage im Bauhauptgewerbe. Nur noch 36 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut – der niedrigste "gut"-Anteil der letzten Jahre. Nahezu ein Drittel (30 Prozent) verzeichnet Auftragsverluste. Gleichzeitig sieht sich jeder zweite Betrieb gezwungen, die Preise zu erhöhen (Herbst 2025: 35 Prozent). Schmitt: "Die Kombination aus hohen Material- und Energiekosten zwingt die Betriebe dazu, die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Die Belastungen können nicht mehr abgefedert werden."

Positivere Signale aus dem Ausbaugewerbe

Ein differenzierteres Bild zeigt sich Ausbaugewerbe: Fast die Hälfte der Betriebe bewertet die Lage als gut (46 Prozent; Herbst 2025: 42 Prozent), 70 Prozent berichten von hoher Kapazitätsauslastung – Spitzenwert im südwestfälischen Handwerk. "Zu beobachten ist eine Verschiebung. Weg vom Neubau und hin zur Modernisierung und zum Erhalt bestehender Gebäude", so Schmitt. Dennoch überwiegen bei den Umsätzen die Rückgänge gegenüber den Zuwächsen (31 Prozent Rückgänge, 21 Prozent Zuwächse).

Rückgänge bei den Zulieferern und im Kfz-Gewerbe

Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf, also die Zulieferer der Industrie, verzeichnet im Frühjahr 2026 eine leichte Verbesserung der Geschäftslage: 40 Prozent bewerten ihre Situation als gut (Herbst 2025: 38 Prozent). Beim Auftragsbestand zeigt sich jedoch die schwache Konjunktur: 42 Prozent berichten von Rückgängen und fast jeder dritte Betrieb (32 Prozent) hat in den vergangenen sechs Monaten Personal abgebaut.

Noch angespannter ist die Situation im Kfz-Gewerbe: 43 Prozent der Werkstätten melden Auftragsrückgänge (Herbst 2025: 32 Prozent). Die durchschnittliche Auftragsreichweite beträgt lediglich dreieinhalb Wochen. "Am ersten des Monats wissen viele nicht, wie es am Ende des Monats um ihre Aufträge steht", beschreibt Schmitt die Situation. Gleichzeitig mussten mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Betriebe aufgrund von hohen Ersatzteil- und Betriebskosten ihre Preise erhöhen.

Nahrungsmittelhandwerk weiterhin angespannt

Im Nahrungsmittelhandwerk bleibt die Lage angespannt. Lediglich 17 Prozent bewerten ihre Situation als gut und fast jeder zweite Betrieb musste die Preise erhöhen. Der Blick in die Zukunft ist pessimistisch: 47 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäftslage.

Gesundheitsgewerbe und Handwerk für den privaten Bedarf bleiben stabil

Das Gesundheitsgewerbe sowie Teile des Handwerks für den privaten Bedarf erweisen sich vergleichsweise krisenfest. 43 Prozent der Betriebe im Gesundheitsbereich bewerten ihre Lage als gut, weitere 43 Prozent als befriedigend. Somit gehört das Gesundheitsgewerbe weiterhin zu den stabileren Bereichen im Kammerbezirk und hebt sich positiv von anderen Gewerken ab. Ähnlich beim Handwerk für den privaten Bedarf. Hier bewerten 39 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 46 Prozent als befriedigend.

Kein Absturz aber Stillstand

Das Handwerk in Südwestfalen zeigt sich im Frühjahr 2026 widerstandsfähig, aber ohne Auftrieb. Mit einer durchschnittlichen Auftragsreichweite von elf Wochen verfügen die Betriebe über einen stabilen Puffer. Doch es fehlt zunehmend die Dynamik: Investitionen werden zurückgestellt, Erweiterungen ausgesetzt. Viele Betriebe befinden sich im Wartemodus und hoffen auf verlässliche Rahmenbedingungen.

Eine zentrale Herausforderung bleibt für Schmitt: "Ohne bessere Zukunftsaussichten fehlt der Mut zu investieren. Und ohne Investitionen fehlt der Impuls für neues Wachstum."

Der Frühjahrs-Konjunkturbericht 2026: