Landrat Theo Melcher, HwK-Standortpolitik-Leiterin Uta Neumeister und HwK-Vizepräsident Ulrich Hermann sitzen an einem Tisch
Kreis Olpe

Austauch mit dem Kreis Olpe"Ohne Handwerk geht es nicht"

Handwerkskammer Südwestfalen im Dialog mit dem Kreis Olpe.

Mit durchschnittlich 440 Prozent liegt der Kreis Olpe beim Gewerbesteuerhebesatz im Kammerbezirk vorn. Darüber sprachen Landrat Theo Melcher und Kreisdirektor Philipp Scharfenbaum im Kreishaus Olpe mit dem Vizepräsidenten der Handwerkskammer Südwestfalen, Ulrich Hermann, sowie Uta Neumeister, Leiterin der Standortpolitik. Anlass des Austauschs war die  Broschüre "Standort. Handwerk. Südwestfalen.", in der die Kammer die Standortbedingungen für das Handwerk in allen 45 südwestfälischen Kommunen vergleicht.

Hermann und Melcher waren sich einig: Eine starke Demokratie lebt vom Dialog und der Bereitschaft, unterschiedliche Interessen zu tragfähigen Lösungen zusammenzuführen. Dieser Anspruch prägte auch die wirtschaftspolitischen Gespräche über die steuerliche Standortqualität, die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und eine mittelstandsfreundliche Vergabepraxis

Starke Werte bei Steuern und Grundsteuer

Mit einem durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz von 440 Prozent liegt der Kreis Olpe im Vergleich der vier Kreise des Kammerbezirks am niedrigsten. Attendorn weist mit 405 Prozent den niedrigsten Wert in ganz Südwestfalen auf (Schnitt: 462). Auch bei der Grundsteuer B für Nichtwohngrundstücke zählt der Kreis zu den günstigsten Standorten: Wenden setzt mit 469 Prozent den niedrigsten Hebesatz der Region (Schnitt: 1.174). Attraktive Standortkosten also für Betriebe mit eigener Immobilie. Melcher betonte, die Kommunen hielten die Belastungen für Unternehmen im Blick – trotz großen finanziellen Drucks durch unzureichend gegenfinanzierte Aufgaben und steigende Sozial-, Personal- und Sachkosten; eine strukturelle Lösung durch Bund und Länder fehle.

Gewerbeflächen: differenziertes Bild

Die Gewerbeflächenumfrage zeigt ein differenziertes Bild: Die meisten Kommunen verfügen zwar über freie Gewerbeflächen, diese stehen jedoch häufig nicht kurzfristig zur Verfügung. In Lennestadt, Olpe und Wenden befinden sich alle freien Gewerbeflächen in kommunalem Eigentum. Für Wachstum, Betriebsnachfolgen, Neuansiedlungen und Investitionen im Handwerk seien eine regelmäßige Bedarfsermittlung, die langfristige Sicherung geeigneter Flächen sowie transparente Informationen zu Verfügbarkeiten und Ansprechpartnern entscheidend, betonte Neumeister.

Chancen durch erweitertes Vergaberecht

Die seit Anfang 2026 erweiterten Spielräume im kommunalen Vergaberecht bieten nach Einschätzung Hermanns Chancen für einfachere und schnellere Verfahren – mit positiven Effekten für regionale Handwerksbetriebe. Scharfenbaum knüpfte daran an und betonte die Bedeutung einer mittelstandsfreundlichen Vergabepraxis: "Eine mittelstandsfreundliche Vergabepraxis stärkt regionale Betriebe, sichert Arbeitsplätze und hält Wertschöpfung in unserer Region."

Fazit: Offener Dialog als Erfolgsmodell

Zum Abschluss betonte Hermann die Bedeutung des offenen Dialogs zwischen Handwerk, Kommunen und Kreisverwaltung. Nicht Forderungen, sondern das gemeinsame Entwickeln von Lösungen, gegenseitige Unterstützung und ein partnerschaftliches Miteinander seien der richtige Weg, um gute Rahmenbedingungen für das Handwerk zu schaffen. Melcher unterstrich die Schlüsselrolle des Handwerks für die regionale Entwicklung: "Ohne Handwerk geht es nicht. Handwerksbetriebe schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, übernehmen Verantwortung für ihre Region, treiben die Energiewende voran, sind wichtige Partner der Industrie und sichern Wohlstand sowie Lebensqualität."