KonjunkturumfrageTrüber Konjunkturherbst im Handwerk
Die Konjunktur im südwestfälischen Handwerk bleibt verhalten, der Blick nach vorn macht Sorge.
Die Konjunktur im südwestfälischen Handwerk bleibt zum Herbst hin weiterhin verhalten. Zwar bewertet mit 41 Prozent weiterhin ein großer Teil der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, doch der Ausblick trübt sich spürbar ein. Der Geschäftsklimaindex sinkt auf 101,8 Punkte – nach 106,8 im Frühjahr und 103,1 im Vorjahresherbst. Ein nachhaltiger Aufschwung zeichnet sich in der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südwestfalen, an der 658 Betriebe teilgenommen haben, damit weiterhin nicht ab. Zugleich aber zeigen einzelne Gewerke Lichtblicke.
Aufträge und Umsätze: Rückgänge überwiegen weiter
Bei Auftragsbeständen und Umsätzen überwiegen im Kammerbezirk die Rückgangsmeldungen. 33 Prozent der Betriebe melden gesunkene Auftragsbestände, nur 23 Prozent Zuwächse, beim Umsatz stehen 33 Prozent Rückgängen 24 Prozent Zuwächse gegenüber. Auch wenn die Salden günstiger ausfallen als im Frühjahr und vor einem Jahr, bleibt die Entwicklung insgesamt gedämpft.
"Die aktuelle Lage ist für viele Betriebe noch tragfähig, aber der Blick nach vorn macht Sorge. Eine breite Belebung ist bislang nicht erkennbar, und die Erwartungen an Geschäftslage, Aufträge und Umsätze fallen vorsichtiger aus als im Frühjahr", sagt Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt.
Bauhauptgewerbe und Kfz-Handwerk besonders unter Druck
Besonders angespannt zeigt sich das Bauhauptgewerbe. 40 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 38 Prozent melden sinkende Umsätze. Vor allem die Erwartungen brechen ein: 43 Prozent der Betriebe rechnen mit rückläufigen Auftragsbeständen, sechs Prozent mit Zuwächsen – der Erwartungssaldo verschlechtert sich innerhalb eines Jahres von minus 19,2 auf minus 37,5 Prozentpunkte.
Auch im Kfz-Handwerk trübt sich die Lage weiter ein: Nur noch 28 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als gut, nach 43 Prozent im Vorjahresherbst. Beim Umsatz melden 37 Prozent Einbußen, lediglich 16 Prozent Zuwächse.
"Vor allem das Bauhauptgewerbe und das Kfz-Handwerk spüren den Gegenwind deutlich", so Schmitt. "Der Rückgang ist nicht nur ein Stimmungstief, sondern schlägt sich real in Aufträgen und Umsätzen nieder. Darauf braucht es Antworten – mehr Planungssicherheit und weniger bürokratische Hürden wären ein wichtiger erster Schritt."
Lichtblicke: Ausbaugewerbe, gewerblicher Bedarf und privater Bedarf legen zu
Dem stehen positive Entwicklungen gegenüber. Das Ausbaugewerbe behauptet seine Spitzenposition und meldet mit 50 Prozent guten Bewertungen die beste Geschäftslage aller Gruppen - auch der Auftragsbestand stabilisiert sich. Im Handwerk für den gewerblichen Bedarf überwiegen bei den Aufträgen inzwischen die Zuwächse. Und im Handwerk für den privaten Bedarf zeichnet sich beim Umsatz eine Belebung ab: 32 Prozent melden Zuwächse, nur 26 Prozent Rückgänge – als eine der wenigen Gruppen liegt dieser Saldo im Positiven.
"Wo es vorangeht, zeigt sich, wie robust viele Handwerksbetriebe sind", betont Schmitt. "Das Ausbaugewerbe und die Handwerke für den gewerblichen und privaten Bedarf senden positive Signale. Diese Zuversicht brauchen wir, um aus der verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung herauszukommen."
Beschäftigung und Investitionen bleiben ohne Dynamik
Beschäftigung und Investitionen bleiben derweil ohne erkennbare Aufwärtsdynamik. Der Beschäftigungsklimaindikator liegt mit 94,4 Punkten leicht unter dem Vorjahreswert. der Investitionsindex erreicht 86,8 Punkte und bleibt damit weiterhin unter der Marke von 100. Positiv ist hingegen die Auslastung: Insgesamt melden 49 Prozent der Betriebe eine Kapazitätsauslastung von mehr als 80 Prozent, im Baubereich sind es bis zu 61 Prozent. Die Auftragsreichweiten liegen im Durchschnitt bei 10,7 Wochen.
"Gegen die verhaltene Grundstimmung helfen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen", appelliert Schmitt. "Die Betriebe sind bereit zu investieren und Personal zu halten. Dafür brauchen sie aber Kalkulationssicherheit – etwa bei Energiepreisen, Zinsen und politischen Vorgaben. Hier sind Bund und Land gefordert."