Ein gelb gekleideter Mitarbeiter erklärt einer Frau eine Waschmaschine in einer Wäscherei
Iserlohner Werkstätten

Schichtwechsel 2026Gelbe Engel und Sportexperten

Die Handwerkskammer Südwestfalen ist auch 2026 bei der Aktion Schichtwechsel dabei gewesen.

Im Rahmen der bundesweiten Aktion Schichtwechsel hat HwK-Inklusionsberaterin Verena Kurth die Arbeit auf den Außenarbeitsplätzen der Iserlohner Werkstätten kennengelernt.

Kurths erste Station war die Wäscherei des Seniorenzentrums Waldstadt Iserlohn. Eine Gruppe von aktuell 18 Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung arbeitet dort. Abhängig vom Schweregrad der Behinderung bekommen sie unterschiedliche Aufgaben. Das Ziel dabei ist, dass die Teilnehmenden Selbstvertrauen und Sicherheit in der Arbeitswelt außerhalb der Werkstätten gewinnen. Gleichzeitig können sie ihre Stärken somit auch auf dem ersten Arbeitsmarkt einsetzen. Beispielsweise hat der Teilnehmende Philipp Wirmer die Waschmaschinen so eingestellt, dass sie durch farbliche Kennzeichnungen auch von Analphabeten bedient werden können. Bei den Heimbewohnern und der Heimleitung kommen die Teilnehmenden so gut an, dass sie – passend zu ihrer Arbeitskleidung – als "gelbe Engel" bezeichnet werden.

Auf dem Außenarbeitsplatz fester Teil des Teams vor Ort

Die zweite Station beim Schichtwechsel von Verena Kurth war das Iserlohner Unternehmen Herm. Sprenger, ein 1872 gegründetes metallverarbeitendes Familienunternehmen. 25 Mitarbeitende arbeiten hier auf den Außenarbeitsplätzen der Iserlohner Werkstätten und fertigen Produkte für den Hunde-, Pferde- und Bootssport. Dabei sind die Teilnehmenden der Außenarbeitsplätze der Iserlohner Werkstätten ein fester Teil des Teams von Herm. Sprenger vor Ort, was sich in der Wertschätzung des Unternehmens zeigt: Sie sind zu allen Teamfeiern eingeladen, im Sommer kommt an besonders heißen Tagen der Eiswagen auf Firmenkosten vorbei.

"Der Schichtwechsel bei den Außenarbeitsplätzen der Iserlohner Werkstätten hat mir gezeigt, wie gut Menschen mit Behinderungen ihre Stärken auf dem ersten Arbeitsmarkt einbringen können", so Verena Kurth. "Das Prinzip der Außenarbeitsplätze ist eine Win-Win-Situation: Die Teilnehmenden machen den ersten Schritt zurück auf den ersten Arbeitsmarkt, gewinnen Sicherheit und Selbstvertrauen. Und die Betriebe können fähige Arbeitskräfte auf diese Weise unkompliziert kennenlernen."

Der bundesweit durchgeführte Schichtwechsel, der von der Berufsarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) seit 2019 koordiniert wird, bietet nicht nur spannende Einblicke in verschiedene Berufe, sondern auch eine wertvolle Chance, den Arbeitsalltag zu wechseln und neue Perspektiven zu entdecken. 

Außenarbeitsplatz: Positivbeispiel aus der Praxis

Ein Außenarbeitsplatz (auch ausgelagerter oder betriebsintegrierter Arbeitsplatz) ist ein Arbeitsplatz für Beschäftigte einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), der sich in einem regulären Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes befindet. So kann der Teilnehmende den regulären Arbeitsalltag und der Betrieb den Teilnehmenden kennenlernen. Ziel eines Außenarbeitsplatzes ist es dabei auch, die Beschäftigten langfristig in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln.  

Ein Fall, in dem das bereits in der Praxis umgesetzt wird, ist der von Yassine Bofarha. Er konnte beim Betrieb MH Wärmetechnik in Hemer Einblicke ins Handwerk bekommen und überzeugte mit seiner Motivation und seinem Einsatz, sodass direkt eine weitere Zusammenarbeit vereinbart wurde. Den Kontakt hatte zuvor HwK-Inklusionsberaterin Verena Kurth hergestellt. "Wir freuen uns sehr über die positive Entwicklung. Herr Bofarha hat die Chance bekommen, seine Stärken im Betrieb zu zeigen, und der Betrieb konnte erleben, welchen Beitrag er leisten kann. Genau solche Erfahrungen machen Mut und eröffnen neue Perspektiven," hebt Anne Reichert, Abteilungsleitung der Iserlohner Werkstätten, hervor. "Die gute Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer hilft uns dabei, Kontakte zu Betrieben herzustellen und gemeinsam solche Chancen zu schaffen."

Ein gelb gekleideter Mitarbeiter erklärt einer Frau eine Waschmaschine in einer Wäscherei
Ein Mann und eine Frau arbeiten in einem metallverarbeitenden Betrieb zusammen.
Ein junger Mann in Arbeitskleidung steht vor einem Firmenlieferwagen mit der Aufschrift "MH Wärmetechnik".