Tojiddin Rahmov bei seiner Arbeit als Orthopädietechniker. Hier arbeitet er an einer Unterschenkelprothese eines Kunden.
HwK Südwestfalen
Tojiddin Rahmov kam aus Tadschikistan über den Vietnam und die Ukraine nach Deutschland. Jetzt hat er seinen Berufsabschluss als Orthopädietechniker von der Handwerkskammer Südwestfalen anerkennen lassen.

Wie Tojiddin Rahmov seinen Traum verwirklichtVom Englischlehrer zum Orthopädietechniker

Wenn Tojiddin Rahmov im Arnsberger Sanitätshaus Sittler steht und eine Beinprothese individuell anpasst, bedeutet das für ihn mehr als Routine. Es ist ein Ankommen. Denn der 38-jährige Familienvater aus Tadschikistan hat einen weiten Weg hinter sich: vom Englischlehrer im tadschikischen Duschanbe über eine Ausbildung im vietnamesischen Hanoi und Berufserfahrung im ukrainischen Odessa bis hin zum frisch anerkannten Orthopädietechnik-Mechaniker-Gesellen in Arnsberg.

Seinen Beruf als Englischlehrer empfand er schon länger nicht mehr als erfüllend. Er wollte mit den eigenen Händen arbeiten. Orthopädietechnik-Mechaniker-Geselle war sein Traum. Doch in seiner Heimat Tadschikistan gab es kaum Möglichkeiten, diesen Beruf zu erlernen – schon gar nicht auf dem Niveau, das er sich wünschte. Über ein internationales Bildungsprogramm erhielt er schließlich die Chance, in Vietnam Orthopädietechnik zu studieren – gemeinsam mit zwei weiteren Teilnehmern aus Tadschikistan. Drei Jahre, von 2011 bis 2014, lernte er in Hanoi die neuesten Techniken und schloss mit einem internationalen Zertifikat ab.

Zurück in Tadschikistan stellte er schnell fest: Die technische Ausstattung und das Know-how reichten nicht aus, um das Gelernte anzuwenden. 2016 zog er weiter in die Ukraine, nach Odessa ans Schwarze Meer. „Dort war man viel weiter als in Tadschikistan“, sagte der 38-jährige. „In der Ukraine gibt es Orthopädie-Zentren, in denen Ärzte, Physiotherapeuten und Techniker Hand in Hand arbeiten. Alles unter einem Dach.“ Diese enge Zusammenarbeit prägte ihn, denn sie sorgt für die bestmögliche Patientenversorgung.

Krieg in der Ukraine und Neustart in Deutschland

Als 2022 der russische Angriffskrieg begann, musste Rahmov mit seiner Familie fliehen. Sie kamen nach Deutschland zunächst in die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Soest. Rumsitzen und abwarten kam für ihn nicht infrage. „Ich wollte arbeiten und wissen, ob es Orthopädie-Zentren gibt.“ In der Zwischenzeit half er als Dolmetscher in der ZUE aus, um andere Geflüchtete zu unterstützen.

Eine Betreuerin knüpfte den Kontakt zum Sanitätshaus Sittler in Arnsberg. Orthopädietechniker-Meisterin Alexandra Menke erinnert sich: „Ich war ehrlich gesagt zunächst skeptisch.“ Rahmov sprach kaum Deutsch, nur Russisch und Englisch. Doch sein Engagement und seine Begeisterung überzeugten sofort, sodass ein einwöchiges Praktikum vereinbart wurde.

Schon nach wenigen Tagen war klar: Tojiddin Rahmov besitzt neben Erfahrung das nötige Talent und eine große Leidenschaft für das Handwerk. Sein Feingefühl und seine Wissbegierde beindruckten sofort. „Trotz der anfänglichen Sprachbarriere wuchsen wir schnell zusammen“, so Menke.

Anerkennung des Berufsabschlusses durch die Handwerkskammer Südwestfalen

Nach nur zwei Jahren spricht Rahmov so gut Deutsch, dass er gemeinsam mit dem Sanitätshaus Sittler den nächsten Schritt wagte: die Anerkennung seiner Berufsqualifikation. Dagmar Stümpel-Müller, Leiterin der Ausbildungs- und Anerkennungsberatung der Handwerkskammer (HWK) Südwestfalen, erklärt: „Zeugnisse aus dem Ausland werden nicht automatisch anerkannt. Es besteht aber bei Vorliegen der Voraussetzungen ein Anspruch auf Prüfung der Gleichwertigkeit der ausländischen Berufsqualifikation.“

Im Rahmen einer Qualitätsanalyse zeigt der 38-Jährige, was er kann. Seine Aufgabe: die Anfertigung einer Unterschenkelprothese mit individueller Anpassung am Patienten. Hier zählen Präzision, Einfühlungsvermögen und technisches Verständnis. Unter den Augen von Dagmar Stümpel-Müller und Alexandra Menke meisterte er die Aufgabe souverän. Auch Matthias Quante, Berufsexperte im Orthopädietechniker-Handwerk und ehemaliger Leiter der Abteilung Orthopädietechnik am Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen, bestätigte die Leistung. Sein Gutachten diente als Grundlage für die Anerkennung. Am Ende passte alles: Tojiddin Rahmovs Ausbildung und Berufserfahrung wurden als dem Gesellenstatus gleichwertig anerkannt.

Orthopädietechniker Tojiddin Rahmov bei der Arbeit an einer Unterschenkelprothese.
Tojiddin Rahmov bei seiner Arbeit als Orthopädietechniker.
Tojiddin Rahmov bei seiner Arbeit als Orthopädietechniker.
Tojiddin Rahmov bei seiner Arbeit als Orthopädietechniker. Hier arbeitet er an einer Unterschenkelprothese eines Kunden.
Orthopädietechniker Tojiddin Rahmov schaut einem Kunden zu, der eine Unterschenkelprothese testet.