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HwK Südwestfalen

Nachfolgefrühstück: Weichen frühzeitig stellen

Volles Haus im bbz Arnsberg: Die Handwerkskammer Südwestfalen hatte zum "Nachfolgefrühstück" eingeladen und mehr als 90 Unternehmer aus dem Hochsauerlandkreis waren der Einladung ins bbz gefolgt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die (rechtzeitige) Planung der Betriebsnachfolge, die für rund ein Viertel der Betriebe innerhalb der kommenden zehn Jahre akut wird. Der Anteil der über 55-jährigen Chefs ist von rund 27 Prozent im Jahr 2007 auf etwa 35 Prozent im Jahr 2017 angestiegen. Das belegt ein Blick in die Handwerksrolle.

Die potentiellen Nachfolger werden allerdings weniger. Auch da macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar. "Wer für die Betriebsübergabe nicht frühzeitig die Weichen stellt, dem läuft am Ende nicht selten die Zeit davon", mahnt aus Erfahrung Ulrich Dröge, Leiter der Betriebsberatung bei der Handwerkskammer und einer der Referenten beim Nachfolgefrühstück.

 

Die Herausforderung aktiv annehmen

Die Herausforderung Unternehmensnachfolge stellt sich jedem Selbstständigen, egal ob die Nachfolge innerhalb der Familie, aus dem Betrieb heraus oder von außen kommen soll. Und: Nicht erst wenn die Rente ruft, sollten die ersten Schritte für einen gelungenen Betriebsübergang gemacht werden, denn für Betriebsinhaber tun sich mit der Übergabe viele Aspekte auf – unternehmerisch, persönlich, rechtlich und steuerlich. Zudem ist es für Chefs, die keinen Nachfolger in der Familie haben, eine echte Herausforderung, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Andererseits steigt, das ist die andere Seite der Medaille, für Existenzgründer die Chance, einen passenden Betrieb zu finden. 

 

Berater hinzuziehen

Gerade für den unternehmerischen Anteil gab Ulrich Dröge wichtige Tipps. Welche Anforderungen stelle ich an einen Nachfolger? Welche Fähigkeiten muss ein Nachfolger mitbringen? Was ist mein Unternehmen wert? Und wie ermittele ich den Wert? "Am Betriebsinhaber hängt oft das Fachwissen, die Kundenkontakte und die Lieferantenbeziehungen. Das muss bei einer Betriebsbewertung mitberücksichtigt werden", unterstrich Ulrich Dröge. Mit ihrem Beratungsangebot begleite die Handwerkskammer den Generationenwechsel schon frühzeitig. So unterstützen die Berater bei der Kaufpreisfindung durch Unternehmensbewertungen. Sie beraten zu Gestaltungsmöglichkeiten bei den Rechtsformen. Auch Vermittlungen im Gespräch zwischen Käufer und Verkäufer sind möglich. Außerdem informiert die HWK zu öffentlichen Fördermitteln.

 

Externe Hilfe annehmen

Für den komplexen steuerlichen Teil der Betriebsnachfolge war Dr. Bernhard Deppenkemper der Experte vor Ort. Für die Teilnehmer am Nachfolgefrühstück standen Fragen zu Schenkung, Verkauf, Aufgabe und Übertragung von Gesellschaftsanteilen und die damit verbundenen Steuern ganz hoch im Kurs und Dr. Deppenkemper fasste für die Unternehmer vor Ort die grundlegenden Antworten für die unterschiedlichen Aspekte zusammen. Er erläuterte die Erbschafts- und Schenkungssteuerfreibeträge ebenso wie Steuervergünstigungen bei der Betriebsveräußerung oder der Betriebsaufgabe und machte deutlich, dass eine individuelle Beratung durch den Steuerberater im Einzelfall unumgänglich ist. Wichtig sei es aber, den Steuerberater frühzeitig mit ins Boot holen.

 

Beratungsangebot der Handwerkskammer

Die wichtigste Erkenntnis für die Teilnehmer am Nachfolgefrühstück war, die Herausforderung Betriebsübergabe aktiv anzugehen und nicht vor sich her zu schieben. Für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger bietet die Handwerkskammer zudem mit der Betriebsbörse eine regionale Plattform, um einen ersten anonymen Kontakt herzustellen. Weitere Informationen zum Thema und die Kontaktdaten für die Ansprechpartner bei der Handwerkskammer Südwestfalen gibt es auf der Website der Kammer.