Handwerkstag_01
HwK Südwestfalen

Hat Handwerk noch goldenen Boden? Immer mehr!

57 Schüler, 13 Betriebe, ein Tag: Beim ersten Handwerkstag der Handwerkskammer Südwestfalen in Olpe hatte die Jahrgangsstufe 9 des Realschulzweiges der St.-Franziskus-Schule die Chance, direkt in einen Betrieb reinzuschnuppern und praktisch das Handwerk zu erkunden. Am Ende des Tages präsentierten die Jugendlichen ihren Eltern die Ergebnisse und nahmen ein Stück Handwerk mit nach Hause.

 

"Das ist hier nicht 08/15!"

13 Betriebe aus Olpe geben aktiv Gas gegen den Fachkräftemangel und öffnen zum Handwerkstag ihre Pforten. "Vor zehn oder 15 Jahren hatte ich noch 25 Bewerbungen auf eine Stelle. Heute sind es vielleicht noch fünf", macht Heike Hilbig, Geschäftsführerin von "Haareszeiten", die Veränderung der letzten Jahre in Zahlen deutlich. "Vielen fehlt einfach die Begeisterung." Auch Schreinermeister Tim Weigand von der Schreinerei Ridder merkt den Fachkräftemangel: "Da gibt es viele, die denken an Meister Eder und seinen Pumuckl. Dabei ist der Beruf mittlerweile hoch technisch." Weigand hat mit seiner Partnerin Sabrina Möller Anfang 2019 die Schreinerei übernommen. Sie fertigen individuelle Möbel an. "Das ist hier nicht 08/15. Und vor allem muss man erstmal das Handwerk beherrschen, um die Maschinen bedienen zu können."

Schüler Jannik darf sich selbst aussuchen, was er am Handwerkstag fertigen will. Er entscheidet sich für eine individuelle Truhe aus Multiplex, die er am Ende des Tages auch mit nach Hause nehmen darf. Bei ihm liegt die Begeisterung fürs Handwerk schon im Blut: Auch sein Vater ist Schreiner. Trotzdem schaut sich der 14-Jährige erstmal in der Arbeitswelt um. Zuletzt erkundete er auch den Bereich Metallbau. "So lange man davon leben kann, ist es mir auf jeden Fall wichtig, dass man Spaß hat", fasst es der Jugendliche zusammen.

 

"Wir haben das Spannendste erwischt"

Hobeln, stylen oder sägen … Tischler, Friseur oder Metallbauer? Die Realschüler stellen sich der großen Frage nach ihrer beruflichen Zukunft und lernen dabei Bereiche kennen, von denen sie vorher noch nicht einmal gehört hatten. Milena und Penelope verbringen den Tag bei Ansgar Koch, Orthopädietechniker und Orthopädieschuhtechniker in Olpe. "Unser Beruf ist sehr unbekannt“, weiß er. Aber die jungen Damen sind sich einig: "Ich glaube, wir haben das Spannendste erwischt!" Plus: Die Einlagen, die sie selbst geschliffen, angepasst und geklebt haben, sind direkt im Einsatz.

Was SHK, also Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, bedeutet, wussten Eric, Nicholas, Sophie, Kalotta und Jonas vorher nur grob. Wie modern und umfangreich das Handwerk allerdings ist, zeigt erst ein Blick in die Werkstätten. "Unser Job verändert sich stark ausgehend vom technischen Wandel", verrät Juniorchef Sebastian Enders von "Enders Heizung Sanitär". "Es dreht sich viel um die Digitalisierung und den CO2 Wandel."

 

Erfolgreicher Schnuppertag

Bei der Metallbau Johan Hunold GmbH & CO. KG lernt Chiara auch die kaufmännische Seite des Handwerks kennen. Da stehen auch Lagerlogistik und Bestellbescheinigungen auf dem Programm. Für sie steht allerdings fest: Für die Zukunft lieber etwas Kreatives. Lenia und Jonathan arbeiten an den hochmodernen Funktionstüren. Für Jonathan klang der Beruf schon vorher gut, nach dem Schnuppertag kann er sich nun definitiv vorstellen, später in die Richtung zu gehen.

Im Kreishaus Olpe kommt am Ende des Tages noch der größte Pluspunkt des Handwerks auf den Tisch. Die Schüler können direkt ihre Ergebnisse und Projekte präsentieren. Landrat Frank Beckehoff ist genau wie die Jugendlichen begeistert vom Tag.  

Ob die Jugendlichen in den nächsten Jahren ihren Weg ins Handwerk gehen, bleibt abzuwarten. Schreiner Weigand fasst die Zukunft des Handwerks auf die Frage, ob es immer noch goldenen Boden hat, so zusammen: "Ich glaube, immer mehr!"